Tierrechte

 

Von Bruce Friedrich

 

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Der letzte Grund – und dies ist vor allem für Teenager und College-Schüler wahrscheinlich der wichtigste Grund -, weshalb wir uns vegan ernähren sollten, ist das wachsende Verständnis dafür, dass Tiere Schmerz genauso empfinden wie wir. Die Grundlage der modernen Tierrechtsbewegung ist die Erkenntnis, dass Tiere keine Automaten sind.
Bevor ich zu PETA kam, arbeitete ich sechs Jahre in einem Heim für obdachlose Familien und half dabei, eine Suppenküche ich Washington D.C. zu betreiben. Während meiner Zeit dort schickte mir ein Freund ein Buch von einem Theologen der Oxford Universität, Dr. Andrew Linzey, welcher argumentierte, dass Tiere von Natur aus bestimmte Bedürfnisse, Wünsche, artspezifische Verhaltensweisen und Neigungen usw. haben, und dass Tiere Schmerz und Leid empfinden, genauso wie wir Menschen auch. Aus Dr. Linzeys Sicht verstößt es gegen sämtliche ethischen Grundsätze, wenn wir den Tieren ihre natürlichen Bedürfnisse verweigern und ihnen Schmerz zufügen, nur weil wir Vorteile dadurch haben. Einem Tier Schmerz zuzufügen ist nichts anderes als einem Menschen Schmerz zuzufügen.
Dieses Argument hatte ich vorher noch nie gehört, doch im tiefsten Inneren war mir klar, dass Dr. Linzey Recht hat. Wenn Tiere das gleiche Recht haben, von Schmerz und Leid verschont zu bleiben wie wir Menschen, dann können wir sie natürlich nicht essen, ihnen ihre Haut abziehen, um sie als Kleidung zu tragen, Experimente mit ihnen machen oder sie zwingen, sinnlose Kunststücke im Zirkus oder beim Rodeo zu machen. Ich hörte dieses Argument, nachdem ich bereits seit ungefähr 4 Jahren aus Menschenrechts- und Umweltschutzgründen Veganer war, und es war der Grund dafür, dass ich mich fortan für die Rechte der Tiere einsetzte und schließlich für PETA arbeitete.
Tierrechtler argumentieren, dass Tiere das gleiche Recht haben, von Schmerz und Leid verschont zu bleiben wie wir Menschen. Im 18. Jahrhundert sagte Jeremy Bentham, der Vater der utilitaristischen Bewegung, wenn es um das Recht eines Lebewesens geht, von Schmerz und Leid verschont zu bleiben, dann kommt es nicht darauf an, ob dieses Lebewesen denken oder sprechen kann oder wie wir zu ihm stehen, sondern nur darauf, ob es Schmerz empfinden kann, ob es leiden kann. Jeder Einführungskurs in Physiologie lehrt, dass Vögel, Säugetiere und Fische im Wesentlichen die gleiche Leidensfähigkeit haben. Wir teilen diese Fähigkeit mit allen Tieren.
Alice Walker, die Menschenrechtlerin und Philanthropin, die Die Farbe Lila und Sie hüten das Geheimnis des Glücks geschrieben hat, schrieb auch die Einleitung zu einem Buch mit dem Titel The Dreaded Comparison von Marjorie Spiegel. In diesem Buch vergleicht Spiegel die Behandlung menschlicher Sklaven vom 16. bis zum 19. Jahrhundert mit der Art und Weise, wie heute die Tiere behandelt werden. Alice Walker stimmt dem zu und sagt: „Die Tiere dieser Welt…wurden genauso wenig für den Menschen gemacht als Schwarze für Weiße oder Frauen für Männer.“ Dies ist ein starkes Argument: „Die Tiere dieser Welt…wurden genauso wenig für den Menschen gemacht als Schwarze für Weiße oder Frauen für Männer.“
Die Tierrechtsbewegung setzt sich für Gerechtigkeit ein, genauso wie die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, die Wahlrechtsbewegung, die Bürgerrechtsbewegung oder die Frauenrechtsbewegung. Heutzutage verstehen die meisten Leute, dass Vorurteile aufgrund von Rasse, Geschlecht, Religion oder Nationalität – jedes Vorurteil gegen andere Menschen – falsch sind. Viele vergessen jedoch, dass Vorurteile gegenüber einer anderen Spezies ebenso falsch sind, also die Vorstellung, dass wir mit bestimmten Lebewesen tun können, was wir wollen, nur weil sie keine Menschen sind. Dr. Albert Schweitzer hat es gut ausgedrückt, als er sagte: „Mitgefühl, welches die Grundlage jeglicher Ethik ist, kann sich nur dann voll und ganz entfalten, wenn es alle Lebewesen einschließt und sich nicht nur auf Menschen beschränkt.“
Aber Vorurteil ist nun mal Vorurteil, ob es sich nun auf Rasse, Geschlecht, Religion – oder Spezies – bezieht. In jedem Fall wird eine Linie gezogen, die die einen über der Linie von denen unter der Linie trennt. Nobelpreisträger Dr. Isaac Bashevis Singer, welcher aus dem von Nazis besetzten Polen fliehen musste, nannte Vorurteile gegenüber einer anderen Spezies die „reinste Form des Rassismus“ und Tierrechte die reinste Form des Eintretens für Gerechtigkeit, denn Tiere sind die verwundbarsten aller Unterdrückten. Für ihn war die schlechte Behandlung der Tiere der Inbegriff eines moralischen Denkmusters der Art „Wer Macht hat, hat Recht“ – ein moralisches Denkmuster, das aus ethischer Sicht höchst verwerflich ist.
Interessanterweise haben sich viele große Denker und Menschenfreunde für die Rechte der Tiere
ausgesprochen. Neben den bereits erwähnten sind dies: Pythagoras, Leonardo da Vinci, Albert Einstein, Harriet Beecher Stowe, C.S. Lewis, Susan B. Anthony, Leo Tolstoy, Dick Gregory und Mahatma Gandhi.
Schlussfolgerung
Aufgrund der Sachlage bin ich davon überzeugt, dass eine vegane Ernährung zweifelsohne die beste Wahl für unsere Gesundheit, die einzige zukunftsfähige Entscheidung für unsere Umwelt und die einzige Lebenseinstellung ist, mit der wir auf positive Art und Weise ausdrücken, wer wir in dieser Welt eigentlich sind - nämlich mitfühlende Menschen, die am Schicksal ihrer Mitmenschen und der Tiere Anteil nehmen.
Albert Einstein sagte, dass nichts der Menschlichkeit so sehr zugute kommt wie eine vegetarische Ernährung. Leo Tolstoi sagte: „Vegetarismus ist die Wurzel der Menschlichkeit.“ Was wir essen, macht aus, wer wir sind. Es gibt so viel Leid in dieser Welt, so viele Probleme. Lösungen brauchen Zeit und bedürfen der Mitarbeit wohlwollender Menschen. Doch jedes Mal, wenn wir uns hinsetzen, um zu essen, entscheiden wir uns für den Missbrauch und die Ausbeutung der Tiere und die ungerechte Erniedrigung von Mensch und Umwelt. Was sagt dies aus über unsere
Integrität und über unser Engagement für andere Punkte der sozialen Gerechtigkeit? Um noch einmal Tolstoi zu zitieren: „Vegetarismus ist die Wurzel der Menschlichkeit.“
Rufen wir uns noch mal ins Gedächtnis zurück, dass die Sklaverei in Amerika von den 1520er bis Mitte der 1860er Jahre Hochkultur hatte. Frauen hatten in den USA kein Wahlrecht, bis 1920 schließlich die 19. Novellierung der US Verfassung verabschiedet wurde. Viele Menschen haben nahe Verwandte, welche die hitzige Debatte im Kongress zum Thema Frauenwahlrecht miterlebt haben. Viele befürchteten damals, dass sich die Union auflösen würde, wenn diese irrationalen Kreaturen – Frauen – ein Mitspracherecht bei der Staatsführung bekämen. Noch vor hundert Jahren gab es kein einziges Gesetz gegen Kindesmissbrauch in den USA. Nicht ein einziges. Ein Kind war das Eigentum seiner Eltern.
Noch vor hundert Jahren gab es kein einziges Land auf diesem Planeten, das allen Erwachsenen ein Wahlrecht zusicherte. Bemerkenswert ist auch, dass es erst 350 Jahre her ist, als der Papst Galileo mittels Folterstrafe dazu bringen wollte, seine Behauptung, die Erde sei nicht der Mittelpunkt des Universums, zurückzunehmen.
Sokrates lehrte vor 2600 Jahren; Plato und Aristoteles philosophierten vor 2500 Jahren; Jesus predigte vor 2000 Jahren; Shakespeare schrieb vor 500 Jahren. Aber erst kürzlich sagten wir: “Hey, vielleicht sollten die Leute keine Sklaven halten, und vielleicht sollten die Leute ihre Kinder nicht schlagen dürfen, und vielleicht sind Frauen vernünftig genug, um auch ein Mitspracherecht bei der Staatsführung zu bekommen!” Dies alles ist noch nicht einmal 150 Jahre her.
Dies alles erwähne ich, um zu zeigen, wie schnell Dinge sich ändern können. Es ist noch gar nicht lange her, praktisch nur ein Wimpernschlag in der Geschichte, als die Menschen mit absoluter Sicherheit das genaue Gegenteil von dem glaubten, was wir heute glauben, und genauso werden sich viele Dinge, die wir heute für richtig halten, kurze Zeit später als absolut falsch herausstellen.
Sieh nur, wie weit es die Tierrechtsbewegung in kürzester Zeit gebracht hat. In den letzten 20 Jahren hat die Wissenschaft gezeigt, dass eine vegane Ernährung am gesündesten ist, und Umweltforscher haben bewiesen, dass der Konsum von Fleisch, Milchprodukten und Eiern unsere Umwelt nachhaltig stark schädigt. Und – was noch wichtiger ist – die Ansicht der Wissenschaft, dass Tiere keine Gefühle haben, wurde - wenn auch spät - durch ein neues Verständnis revidiert, wonach Tiere genauso empfinden wie wir Menschen. In den letzten Jahren wurde die Behandlung der Tiere in Fabrikfarmen zu einem zentralen Thema: Der U.S. Kongress prangerte die schlechte Behandlung der Tiere in den Schlachthäusern an, die Fast-Food-Riesen sahen sich gezwungen, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern, und die Washington Post berichtete auf dem Titelblatt über so manchen Fall schlechter Behandlung von Tieren.
Als ich 1987 Veganer wurde, kamen vegetarische Lebensmittel gerade erst auf den Markt, und manche schmeckten nicht besonders gut. Heutzutage gibt es hierzulande in jedem Lebensmittelgeschäft Sojadrink zu kaufen, und sogar TV-Sendungen wie 20/20 haben in Blindtests bewiesen, dass die Leute sie der Kuhmilch vorziehen. Ketten wie Burger King, Johnny Rockets und Ruby Tuesday bieten im ganzen Lande fabelhafte vegetarische Burger an. Vegetarische Wraps und Gourmetsalate sind so beliebt wie noch nie zuvor. Millionen und Abermillionen von Menschen verstehen mittlerweile, was moralische Integrität heißt, nämlich
beim Essen bewusste Entscheidungen zu treffen. Sie haben erkannt, dass eine vegane Ernährung die einzig richtige für Umweltschützer, Tierfreunde und gesundheitsbewusste Menschen ist.
Das 18. Jahrhundert stellte den Beginn unserer Demokratie dar, wobei zum ersten Mal festgehalten wurde, dass „alle Menschen gleich sind“ und Grundrechte gesetzlich festgelegt wurden, wie das Recht zur friedlichen Versammlung, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Im 19. Jahrhundert wurde in der entwickelten Welt die Sklaverei abgeschafft. Im 20. Jahrhundert wurde Kinderarbeit abgeschafft, Kindesmissbrauch unter Strafe gestellt, das Wahlrecht für Frauen eingeführt, und die Schwarzen bekamen mehr Rechte. Wenn wir alle unser Bestes geben, KÖNNEN wir das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der Tierrechte machen.
Ja, Sokrates hatte Recht, als er vor 2600 Jahren sagte: “Das unerforschte Leben ist nicht lebenswert.” Ein integrer Mensch zu sein, bedeutet meiner Meinung nach, Dinge zu hinterfragen, Dinge, die man ablehnt, nicht zu unterstützen und seinem Leben eine Bedeutung zu geben.
Dies verstehe ich unter Integrität, nämlich ein Leben im Einklang mit meinen erklärten Werten zu führen: Ich kann nicht akzeptieren, dass Menschen ausgebeutet werden; der Schutz unserer Umwelt liegt mir sehr am Herzen; ich möchte so gesund wie möglich sein; ich glaube, dass sich Güte gegenüber Mitmenschen und Tieren immer auszahlt.
Bitte frage Dich selbst: Würdest Du auf einer Fabrikfarm arbeiten und dort den Hühnern die Schnäbel kürzen oder Schweine und Kühe ohne Betäubung kastrieren wollen? Würdest Du auf einem großen Fischdampfer arbeiten wollen? Gibt es andere Bereiche in Deinem Leben, wo Du Dich an Praktiken beteiligst, die Du eigentlich abstoßend findest? Die meisten von uns könnten ohne Probleme zusehen, wie das Land mit Getreide bestellt wird, oder auch mal einen Nachmittag damit verbringen, Hülsenfrüchte zu enthülsen oder Bohnen, Früchte oder Gemüse zu ernten. Aber mal ganz im Ernst: Wie viele von uns könnten sich vorstellen, einen ganzen Nachmittag lang Tieren die Kehle aufzuschneiden?
Manche Leute werden über Nacht zum Veganer, andere brauchen etwas mehr Zeit. Man darf auch Bequemlichkeit und sozialen Druck nicht unterschätzen. Jede Entscheidung, weniger tierische Produkte zu konsumieren, muss ganz klar als Erfolg gewertet werden, zumal dies ein Schritt hin zu einer rein veganen Ernährung sein kann.
Ich denke, es ist ethisch richtig, ein Leben zu leben, das weitgehend unseren wichtigsten Werten
entspricht. Wir werden nie perfekt sein, aber wir sollten so viel tun, wie nur irgend möglich!
Ich bin mir völlig sicher, dass die Menschen in 100 Jahren genauso entsetzt darüber sein werden, wie die Tiere von uns behandelt wurden, wie wir uns heute über bestimmte Ungerechtigkeiten der Geschichte entsetzen, wie zum Beispiel Sklaverei und moralische Sünden Menschen gegenüber.
Tiere leiden und sterben wie wir. Tiere sind aus dem gleichen Fleisch und Blut wie wir. Sie zu essen, zeugt von Gefräßigkeit und Missachtung unserer eigenen Gesundheit, der Umwelt, der Armen dieser Welt und vor allem der Tiere selbst. Wenn Du kein Veganer bist, dann arbeite bitte daran, einer zu werden. Wenn Du Veganer bist, dann möchte ich Dir danken und Dich bitten, noch aktiver zu werden.
Das Tolle ist, dass du den Tieren und der Umwelt helfen und Deine Gesundheit verbessern kannst, ohne dass Du auch nur ein Formular ausfüllen oder einen Anruf tätigen musst. Du kannst heute anfangen, indem Du Dich für eine gesunde, humane und vegane Mahlzeit entscheidest.
Danke für Deine Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

Quelle: http://www.peta.de/kampagnen/vegetarismus/nutshell/nutshell_d.pdf