Fragen & Antworten

 

Von Bruce Friedrich

 

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Bitte beachte, dass keine dieser Fragen die Tatsache anspricht, dass Fleischessen das schlechteste ist, was Du für die Umwelt tun kannst, Ungerechtigkeit gegen Menschen unterstützt, sowohl in den USA als auch weltweit, und Deiner eigenen Gesundheit schadet. Ebenso wenig behandeln diese Fragen die völlig unnötige Misshandlung der Tiere auf Fabrikfarmen und in Schlachthäusern. Oft denke ich, dass Fleischessen eine Art Sucht sein muss, denn ansonsten vernünftige Menschen greifen beim Thema Fleischessen oft auf Fragen zurück, die überhaupt nichts mit den eigentlichen Argumenten zu tun haben, nur um ihre Fleischesserei zu verteidigen.


In freier Wildbahn essen Tiere sich doch auch gegenseitig, weshalb sollen wir also keine Tiere essen? Mögliche Variationen dieser Frage können sein: “Stehen Menschen denn nicht ganz oben in der Nahrungskette?” und „Sind Menschen denn keine Allesesser?“

Bitte denk doch mal darüber nach, was wir den Tieren in den Fabrikfarmen und in den Schlachthäusern antun. Wir missachten all ihre natürlichen Bedürfnisse und töten sie auf grausame Art und Weise. Willst Du mir wirklich weismachen, dass das moralisch richtig ist? Die Natur funktioniert zweifelsohne nach Darwins „Überleben der Bestangepassten“. Manche Tiere pflanzen sich durch Vergewaltigung fort, andere tragen Territorialkämpfe aus und töten dabei oftmals ihren Kontrahenten. Doch wir Menschen verkehren ja auch nicht auf dieser Basis miteinander. Mit unseren Haustieren, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen, gehen wir ja auch nicht so um und sind gerne bereit, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und sie zu beschützen. Tierschützer schlagen daher vor, dass wir mit allen Tieren Mitgefühl haben sollen.


Sind Dir Tiere wichtiger als Menschen? Mögliche Variation dieser Frage kann sein: „Es gibt soviel menschliches Leid auf dieser Welt, weshalb kümmerst Du Dich nicht darum?“

Das Interessante daran ist, dass keiner meiner Freunde, die in Obdachlosenheimen oder Suppenküchen arbeiten oder sich gegen Hungerbekämpfung einsetzen, jemals diese Frage stellt. Wer so fragt, widmet sein Leben ganz sicher nicht der Leidensbekämpfung – weder der Bekämpfung menschlichen noch tierischen Leids. Eine vegane Ernährung ist ganz klar die einzig richtige aus umweltpolitischer Sicht, die gesündeste, und am besten für US-Arbeiter und die Armen dieser Welt. Natürlich muss jede Art von Leiden angesprochen werden. Der Princeton Bioethiker Dr. Peter Singer sagte: „Wenn Nicht-Vegetarier sagen, dass ‘die Probleme der Menschen Vorrang haben müssen,’ kann ich mich nur fragen, was genau sie für Menschen tun, das sie dazu zwingt, die verheerende und unbarmherzige Ausbeutung der sogenannten Nutztiere weiterhin zu unterstützen.“ Das Großartige am veganen Lebensstil ist, dass Du Stellung beziehst gegen das Leiden, ohne wirk ich etwas tun zu müssen, was ernsthaft Zeit oder Mühe kostet. Du hörst einfach damit auf, Grausamkeit, Umweltzerstörung, Ausbeutung von Arbeitern usw. zu unterstützen.
 

Wohin aber mit den ganzen Tieren, wenn jeder Veganer würde?

Das ist doch eine Milchmädchenrechnung: Wenn weniger Menschen tierische Produkte konsumieren, werden die Preise dafür sinken. Das ganze Fleisch, die Milchprodukte und Eier, die bereits produziert wurden, werden zwar verkauft, aber für einen geringeren Preis. Wenn mehr und mehr Menschen sich vegan ernähren, werden weniger tierische Produkte produziert werden, weil es sich nicht mehr rentiert. Schließlich werden wir ganz damit aufhören, Tiere für Nahrung zu züchten. Viele Leute, die in der Tierprodukteindustrie arbeiten – abgesehen von den Topmanagern – werden an ihrem Arbeitsplatz ohnehin sehr schlecht behandelt. So wird den meisten Schlachthausarbeitern z. B. keine Krankenversicherung bezahlt, und viele Fließbandarbeiter leiden am Karpaltunnelsyndrom. Daher werden die neuen Jobs auf jeden Fall besser sein als die Jobs, die wegfallen.


Hat Gott uns denn nicht die Herrschaft über die Tiere gegeben?

Man kann sich natürlich auch die grausamsten Dinge schönreden. Aber „Herrschaft“ bedeutet nicht Gewaltherrschaft und Ausbeutung. Alle großen Weltreligionen lehren uns, dass wir Mitgefühl haben und Gnade walten lassen sollen. Der Konsum von Fleisch, Milchprodukten und Eiern ist jedoch immer mit großer Gewalt verbunden und unterstützt den Missbrauch der Tiere. Selbst wenn der religiöse Glaube den Menschen erlaubt, tierische Produkte zu konsumieren, sind sie trotzdem nicht dazu gezwungen. Mal ganz abgesehen von den Konsequenzen für Mensch und Umwelt, die jedem guten oder ethisch eingestellten Menschen ein Gräuel sein sollten, hat Gott Tiere mit Bedürfnissen, Wünschen und artspezifischen Verhaltensweisen erschaffen, die von der Tierprodukteindustrie aber komplett missachtet und unterdrückt werden. Gott hat Tiere erschaffen, die die Fähigkeit haben, Schmerz zu empfinden. Doch die Tierprodukteindustrie missbraucht die Tiere und unterdrückt jegliche ihrer natürlichen gottgegebenen Verhaltensweisen. Mehr Informationen zu diesem Thema findest Du auf der Seite JesusVeg.de. Bei den Links findest Du auch Tierrechtliches aus nichtchristlicher Sicht.


Wieso drängst Du mir Deinen Willen auf? Mögliche Variation dieser Frage kann sein: Es war Deine Entscheidung, Veganer zu werden. Ich bin aber Fleischesser und werde dies auch bleiben.

Jeder muss das tun, was er für richtig hält (Prinzip „Leben und leben lassen“).“ Wer tierische Produkte konsumiert, unterstützt den völlig unnötigen Missbrauch von Tieren, die überhaupt nicht gefragt werden. Das Prinzip „Leben und leben lassen“ gilt für diese Menschen offensichtlich nur, solange es nicht um Tiere geht. Genauso wie ein misshandeltes oder missbrauchtes Kind keine Wahl hat, gehören zum Konsum von tierischen Produkten immer ein Tier oder viele Tiere, die keine Wahl haben. Egal, ob Du Dein Kind schlägst oder Fleisch isst, Du verletzt damit immer jemanden, der nicht die Macht hat, Dich zu stoppen. Du siehst also, dass dies nicht Deine freie Entscheidung sein kann.


Fühlen Pflanzen nicht auch Schmerzen? Mögliche Variation dieser Frage kann sein: “Wo ziehst Du die Grenze? Haben Kakerlaken jetzt auch schon Rechte?“

Nach allem, was die Biologie und Physiologie heutzutage weiß, haben Pflanzen kein Schmerzempfinden. Sie leben zwar und reagieren auf Licht, Wasser, etc., aber sie haben kein Schmerzempfinden. Ein Organismus kann nur dann Schmerz empfinden, wenn er – wie Säugetiere, Vögel, Fische – über ein Gehirn, ein zentrales Nervensystem, Schmerzrezeptoren
usw. verfügt. Pflanzen haben jedoch weder das eine noch das andere und können somit auch keinen Schmerz empfinden. Jeder weiß doch, dass es zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind, ob wir unseren Rasen mähen oder den Schwanz einer Katze anzünden, oder ob wir einen Salatkopf ernten oder einem Hund den Schädel einschlagen. Vögel, Säugetiere und Fische sind aus Fleisch, Knochen und Fett, genau wie wir auch. Sie fühlen Schmerz, genauso wie wir. Ich kann auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, wo man eine Linie ziehen soll. Ich weiß z. B. nicht, was eine Kakerlake oder Ameise empfindet. Aber ich weiß mit hundertprozentiger Sicherheit, dass es gegen jegliche Ethik verstößt, wenn wir einem Lebewesen absichtlich Leid zufügen, nur weil es Tradition oder Brauch ist, aus Bequemlichkeit oder um unseren Gaumen zu befriedigen. Und wenn wir Fleisch, Milchprodukte oder Eier konsumieren, verursachen wir absichtlich großes Leid – und dafür gibt es keinen einzigen guten Grund.


Die Ausbeutung der Tiere kannst Du doch nicht mit dem Holocaust oder der Sklaverei vergleichen!

Viele große Denker, wie z. B. Tolstoy, Harriet Beecher Stowe, Gandhi, Albert Schweitzer, Alice Walker, Dick Gregory oder Holocaust-Opfer und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer haben zur Sprache gebracht, dass sowohl die Ausbeutung von Tieren als auch von Menschen immer nach dem Prinzip „Wer Macht hat, hat Recht“ funktioniert. Ich habe die Macht, dies den Tieren oder Menschen anzutun, also tue ich es auch. Um noch mal auf die letzte Frage zurückzukommen: Weshalb essen Menschen überhaupt tierische Produkte? Sie tun dies aus ganz belanglosen Gründen, wie Bequemlichkeit, Tradition oder weil es ihnen einfach schmeckt – und weil sie die Macht haben, dies zu tun – weil Tiere sich nicht selbst verteidigen können. Es würde ja auch niemand anführen, dass Tiere auf diese Weise gezüchtet, transportiert oder geschlachtet werden wollen. Die meisten Menschen wissen durchaus, dass Schlachthäuser Orte des Grauens sind, wo Tieren schreckliche Gewalt angetan wird. Aber sie wollen sich damit nicht belasten oder sind einfach zu bequem, um ihre Essgewohnheiten zu ändern. Dabei war es noch nie so einfach wie heute, vegan zu leben. Diese Menschen essen Tiere, weil sie die Macht haben, dies zu tun. Doch es ist völlig egal, wem nun Gewalt angetan wird. Isaac Bashevis Singer sagte, dass Speziesismus – Vorurteile aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies – der Inbegriff dieses Denkmusters „Wer Macht hat, hat Recht“ ist, denn Tiere sind die Schwächsten aller Unterdrückten und haben nicht die Möglichkeit, aufzubegehren und für sich zu sprechen. Wenn Du auch denkst, dass Tiere ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben und Du ein Leben führen willst, das Deinen Wertvorstellungen eher entspricht, dann solltest Du Dich vegan ernähren.


Fehlen Veganern nicht wichtige Nährstoffe, wie Eiweiß, Calcium, etc.?

Die American Dietetic Association und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie andere Organisationen betonen, dass die vegane Ernährung dem Körper alle Nährstoffe liefert, die er braucht. Da eine vegane Ernährung Ungesundes zum großen Teil ausschließt, sind Veganer sogar gesünder als Allesesser. Die Menschen der westlichen Industrienationen sterben nicht an Mangelerkrankungen, sondern an Herzkrankheiten, Krebs und Schlaganfällen. Sie leiden an Diabetes und Übergewicht. Du kannst zwar auch als Veganer ungesund leben, aber es ist wesentlich einfacher, sich seine Gesundheit zu ruinieren, wenn man Fleisch, Milchprodukte und Eier konsumiert. Dr. T. Colin Campbell führt an, dass tierische Produkte mit Tabak vergleichbar sind – ein bisschen davon bringt Dich vielleicht nicht gleich um, aber weshalb sollst Du es riskieren? Tierische Produkte sind schlicht und einfach schlecht für uns. Natürlich ist es theoretisch möglich, dass ein Veganer sich ausschließlich von Limonade und Pommes Frites ernährt. Man sollte aber abwechslungsreich essen, um so gesund wie möglich zu bleiben. Ich empfehle auch die Lektüre von Büchern, wie z. B. Eat for Life von Dr. Neal Barnard, The McDougall Program for Women von Dr. John McDougall und Becoming Vegan von Vesanto Melina und Brenda Davis.

War Hitler nicht auch Vegetarier?

Nein. Wer das glaubt, ist auf die Nazi-Propaganda hereingefallen, die Hitler als Asketen darstellte, der sich ausschließlich um die Bedürfnisse der Deutschen sorgte. Es gibt jedoch genügend Belege dafür, dass Hitler sehr wohl Fleisch gegessen hat. Und selbst wenn er Vegetarier gewesen wäre, dann ganz sicher nicht aus ethischen Gründen. Es ist einfach bizarr, Hitler mit Gandhi oder Schweitzer zu vergleichen. Mehr Informationen zu diesem Thema findest Du im Buch Hitler: Neither Vegetarian nor Animal Lover von Rynn Berry.


Ich bin Veganer und möchte noch mehr bewirken und noch aktiver werden. Was kann ich tun?

Auf PETAs Site www.Veggie-online.de findest Du eine Liste mit mehr als 20 Dingen, ganz einfache und etwas aufwendigere, die Du tun kannst. Bitte schau Dir diese Liste mal an und lass es mich wissen, falls wir irgendwas vergessen haben sollten. Ich möchte jetzt nicht auf die Punkte im Einzelnen eingehen, sondern ein paar allgemeine Bemerkungen zum Thema Aktivismus machen. Erstens: Im Leben ist eine gewisse Art von Aktivismus praktisch Pflicht. Wärst Du derjenige, der in Mittelamerika hungert oder auf einer Fabrikfarm oder in einem Schlachthaus leidet, dann würdest Du auch wollen, dass Menschen sich für Dich einsetzen und alles in ihrer Macht stehende tun, um Deine Qualen zu lindern. Es gibt genügend Probleme auf dieser Welt. Daher sollte jeder von uns entweder Geld spenden oder einen großen Teil seiner Zeit dafür aufwenden, um aus dieser Welt einen mitfühlenderen Ort zu machen. Zweitens: Wenn wir aktiv werden, dann auf eine Art und Weise, die so viel wie möglich bewirkt. Egal, für welches Thema wir uns auch einsetzen, wir sollten uns immer überlegen, wie wir dabei vorgehen, damit wir so viel wie möglich erreichen.
Hierzu gehört für mich auch, dass man seinen Mitmenschen nicht das Gefühl gibt, eine vegane Ernährung sei furchtbar kompliziert. Ich reite nicht auf Honig oder irgendwelchen versteckten Zutaten wie Molke oder Kasein oder so herum, denn wenn Menschen lediglich diejenigen Produkte von ihrem Speiseplan streichen, die ganz offensichtlich von Tieren stammen, können sie das Leiden damit schon um 99 Prozent reduzieren. Da eine vegane Ernährung für die allermeisten Menschen etwas völlig neues ist, sollte man ihnen nicht auch noch das Gefühl geben, dass diese Ernährungsumstellung mit einer Menge Arbeit verbunden ist. Ich versuche auch, die Ratschläge aus Dale Carnegies Buch Wie man Freunde gewinnt umzusetzen. Dieses Buch haben wahrscheinlich alle Führungskräfte gelesen, die es in diesem Lande gibt. Wenn man damit Geld verdienen kann, dann kann man damit auch Menschen zu Veganern machen.
Bitte besuche doch auch Veggie-Online.de und schau Dir die Bücher an, die dort empfohlen werden und die Vorschläge im Link „Great Ways to Promote Vegetarianism (auf dt. „Vegetarismus effektiv vorantreiben“). Dort findest Du tolle Ideen für jeden. Wir sollten uns alle
bemühen, so viel wie möglich zu tun, um das Leiden der Tiere zu mildern, die nicht für sich selbst sprechen können.
Vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, diesen Text zu lesen. Dr. Martin Luther King Jr. sagte einmal, eine der großen Tragödien der Geschichte sei, dass so viele Menschen soziale Veränderungen nicht bewusst wahrnehmen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden.
Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit!
Wenn Du denkst, dass dieser Text auch für andere wertvoll sein könnte, dann möchte ich Dich bitten, ihn zu kopieren und an andere Menschen zu verteilen. Du kannst auch die Kassette bestellen und sie für diejenigen kopieren, von denen Du denkst, dass sie Interesse haben.


Aus dem Amerikanischen von Antje Stuber.

 

 

 

 

Quelle: http://www.peta.de/kampagnen/vegetarismus/nutshell/nutshell_d.pdf